den

06.

April

Folklore
Von den sieben kanarischen Inseln ist La Gomera diejenige, auf der die Bräuche und Traditionen noch auf eine unverfälschte, ursprüngliche Weise aufrecht erhalten werden.
Die gomerischen Volksbräuche weisen innerhalb der kanarischen Folkore einige Besonderheiten auf. Der baile del tambor (Tanz mit der Trommel), eine althergebrachte Gesangs- und Tanzart, ist wegen der altertümlichen Kombination von Reimgesang und dem Tanz in gegenüberliegenden Reihen einzigartig in der spanischsprachigen Welt und ein charakteristischer Teil der Musik und Tänze der Insel.

Die Texte der Gesänge bilden epische oder romantische Reime, die in Erzählform vorgetragen werden und vollständige Geschichten wiedergeben. Der Ablauf des Tanzes ist einfach: Es werden Gruppen aus mehreren Sängern mit ihren tambores (Trommeln) und Tänzern mit ihren chácaras (Kastagnetten) gebildet, wobei der erste Sänger einen Vers der romance (Romanzendichtung) oder ein pareado (Reimpaar) vorgibt. Dieser muss sich auf einen bereits bestehenden Vers reimen, der oft für den Anlass erfunden wird. Die übrigen Sänger wiederholen dann diesen Reim. Zur Zeit gibt es zwei Arten der Reimbildung: pie de romance (traditionelle Versform), die im Rhythmus des tajaraste (traditioneller kanarischer Musikstil) oder des recitado (Sprechgesang) vorgetragen wird, und die décimas oder auch puntos cubanos (Dezimen, zehnzeilige Strophen). Bei beiden wird der Sänger von Lauten oder Gitarren begleitet. Die eben beschriebenen Reime werden in der Erzählform vorgetragen und berichten von Legenden oder historischen Ereignissen, wie z.B. der Geschichte des Grafen.

Malagueña, Isas und Folía sind Gesangs- und Tanzarten, die denen der übrigen Inseln sehr ähneln und von Saiteninstrumenten begleitet werden, wie z.B. von der timple (Ukuleleart), Gitarren, oder der bandurria (Lauteninstrument), etc.
Der tajaraste ist eines der ältesten und wichtigsten Beispiele der musikalischen Bräuche La Gomeras. Sowie Tänzer als auch Musiker können den tajaraste über mehrere Stunden in die Länge ziehen; insofern erinnert er an die tranceartigen Tänze der Eingeborenen. Das Spektakel besteht aus einem bewegten Tanz zum Rhythmus der tambore (Trommel) und der chácaras (Kastagnetten, zwei schalenförmig ausgehöhlte Muscheln aus Gaudichholz, die bei rhythmischem Aneinanderschlagen tremolierende Klänge erzeugen). Ein Solist singt dann eine Strophe vor woraufhin die Gruppe von Sängern den Satz, oder den Reimvers, wiederholt. Für Ortsfremde und Ausländer ist es praktisch unmöglich die Texte des baile del tambor zu verstehen, da die Sänger die Worte auf eine sehr eigene Weise betonen. In den Liedern werden vorranging Themen wie Misserfolge und Hungersnot besungen, jedoch fehlt auch hierbei nicht der für die Gomeros so typische Sarkasmus. Es ist üblich, dass die Männer, im Gegensatz zu den Frauen, tanzen und gleichzeitig die chácaras spielen. Der Tanz dauert so lange an, bis der Reim vollendet ist, die einzelnen Teilnehmer können die Gruppe jedoch jeder Zeit verlassen, bzw. neu dazustoßen, denn die Grenzen liegen hierbei nur in der eigenen und des Tanzpartners Ausdauer. All diese Elemente schaffen eine sehr besondere folklorische Atmosphäre auf der Insel, denn noch heute entstehen die hier beschriebenen Tänze und Gesänge auf den Feiern in Berg und Tal auf spontane und ungezwungene Weise. Unbedingt erwähnenswert sind in diesem Zusammenhang die Festlichkeiten, die zu Ehren der heiligen Jungfrau stattfinden, wie z.B. in Chipude zu Ehren der Jungfrau von Candelaría, in Las Rosas zu Ehren der Sta. Rosa de Lima und in El Cedro zu Ehren der Ntra. Sra. De Lourdes. Ein weiterer Brauch auf diesen Festen ist die Anfertigung des traditionellen Gestecks (aus Früchten und Blumen zusammengestellt), das als Opfergabe für die Heiligen dienen soll. Natürlich werden zu solchen Anlässen die typischen Trachten La Gomeras getragen. Die traditionelle Tracht der Frauen besteht aus einem weißen Unterrock, der als Steppnaht ein rotes Band am Saum trägt, einem roten Überrock, über dem ein weiterer blauer Rock aus Wolle mit gelben Margariten bestickt getragen wird. Als Oberbekleidung tragen die Frauen eine weiße Bluse mit einem schwarzen Mieder, sowie ein gelbes Tuch und einen Hut, der aus getrockneten Palmenblättern geflochten ist, als Accessoires. Als Schuhwerk dienen schwarze Stiefel. Die Reihenfolge, in der die Kleidungsstücke getragen werden, kann variieren und hängt vom Gebiet der Insel ab. Die Männer bekleiden sich mit einer schwarzen Hose, die bis zum Knöchel reicht, einem weißen Hemd, einer schwarzen Weste mit roter Schärpe und einfachen Stoffschuhen mit Strümpfen.
 
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